in Positionen

Haushalt ist kein Hexenwerk

Kann man in der behüteten Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin-Friedrichshain zu der Frage tagen „Wie geht eigentlich ein richtiges Leben im falschen?“, während das Stadtgespräch sich doch eigentlich um den polizeiliche Ausnahmezustand dreht, der zu dieser Zeit in Kreuzberg herrscht?

Offenbar schon. Abgesehen von gelegentlich kursierenden Räumungsgerüchten rund um die von Flüchtlingen besetze Gerhart-Hauptmann-Schule und ein paar Konferenz-Ausreißerinnen suchten von Donnerstag bis Samstag Wissenschaftler und Aktivisten nach Spielräumen für linke Politik im krisengeschüttelten Alltag.

So voll wie beim Eröffnungsvortrag von Silvia Federici wurde es jedoch nicht mehr. Knapp 100 Menschen wollten die heute in New York lehrende Feministin erleben. In den siebziger Jahren startete sie in Italien die Kampagne „Lohn für Hausarbeit“, um sichtbar zu machen, dass der Großteil der in der Gesellschaft anfallenden Arbeit – Kochen, Putzen, Kinder erziehen und Alte pflegen – unter dem Deckmantel der „Liebe“ an die Frauen und ins Private abgeschoben wird. In Berlin sprach sie darüber, wie es zu dieser Rollenverteilung kam. Dabei hielt sie sich an ihr jüngstes Buch „Caliban und die Hexe“.

Die Epoche der Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert sei entscheidend gewesen, um die Subsistenzwirtschaft der Landbevölkerung, ihre dichten kommunalen Beziehungsnetze zu zerstören und sie als vereinzelte Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter in die Fabriken zu treiben. Das ging zu Lasten eines Geschlechts: Hexen, und damit potenziell alle Frauen, wurden zur Gefahr für Männer und die gesamte Gesellschaft verklärt, gefoltert und öffentlich verbrannt. Erst dieser „War on Women“ legte die Grundlage für die kommende kapitalistische Arbeitsteilung in „männliche“ Lohnarbeit und „weibliche“ Hausarbeit.

Es sei kein Wunder, dass die heutigen Angriffe auf menschliche Grundbedürfnisse – sei es durch die globale Zerstörung „rückständiger“ Subsistenzwirtschaften oder durch Kürzungen der sozialen Sicherungssysteme – erneut von einer Welle der Gewalt begleitet werden, insbesondere gegen Frauen.

Ansätze für das „richtige Leben“ erkennt die Occupy-Unterstützerin dort, wo im Angesicht der Not neue Formen des Gemeinsamen entstehen, zum Beispiel durch öffentliche Küchen oder Tauschringe. In der Praxis klappte das an diesem Wochenende insofern, als am Samstag ein Teil des Tagungsbuffets an die belagerte Schule gefahren wurde, wo gerade die Solidaritätsdemonstration zu Ende gegangen war.

(erschienen in der taz vom 30.6.2014)

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