Zeichnung: Björn Bernt

in Pop

Dialektik Rises? Batmans Fernet Branca

Acht Jahre hat Bruce Wayne keinen Menschen mehr gesehen, humpelt nur noch durch den Ostflügel seiner Villa. Dann kommt Catwoman. Was das mit Hegel zu tun hat? Ein Brief an G.W.F. Nolan

Respekt, Chris,

mit so viel Pathos hat schon lange keiner mehr die Hegel-Keule geschwungen. Aber mal im Ernst: Drei Teile, knapp 600 Millionen Dollar, für eine Holzhammer-Dialektik, die dann beim Fernet-Branca in Florenz aufgelöst wird? Geht’s auch ein bisschen weniger? Allein diese blaue Blume im ersten Teil… der entfremdete Bruce, der in die Welt zieht, um seine Angst zu besiegen, puh… „Wo gehst du hin?“ wurde der erste Blaublumensucher von Novalis mal gefragt – und antwortete: „Immer nach Hause“. Und so eiert nun auch der fiese Aggro-Yupie Bruce Wayne seit Jahren durch die Welt und Gotham. Und was sein zu Hause ist, das wissen wir ja nun. Prost.

War aber auch ein langer Weg: Im ersten Teil schafft es Bruce mit seinen Millionärs-Gadgets die eigene Angst zu verdrängen. Im zweiten Teil kämpft der maskierte Ordnungsfanatiker stundenlang gegen das unter der porösen Ordnung Gothams brodelnde Chaos an. Und gegen Jokers Grinsen, das allein Batman auf die Palme bringt. Acht Jahre ist es nun her, seit Gordon und Batman mithilfe der Legende um Harvey „Two Face“ Dent Gothams Ordnung wiederhergestellt haben.

Seitdem ist Batman überflüssig – eigentlich das, was er immer sein wollte. Doch anstatt jeden Tag mit einem Sektfrühstück zu beginnen, lungert Bruce im Ostflügel seines Anwesens herum, hat seit Jahren keinen Menschen mehr zu Gesicht bekommen, außer Alfred (und der ist eigentlich gar kein Mensch, oder Chris?). Bruce geht am Stock und wartet auf den Tod. Ist aber auch wirklich Scheiße, das Leben, wenn das mit der großen Liebe nicht geklappt hat. Und so lamentiert er nun vor sich hin. Ist also noch nicht durch, die Arbeit der Dialektik. Denn Bruce hat zwar vor nichts mehr Angst, aber glücklich ist was anderes. Und um das zu werden, muss zunächst das Verdrängte wiederkehren.

Die Angst findet er in einem Kerker wieder, in den ihn Oberfiesling Bane geworfen hat: die Angst vor dem Tod („die mächtigste Triebfeder des Menschen“ – puh). Mit dem neuen Lebenswille geht es nun Bane an den Kragen, aber vor allem auf die Suche nach der Liebe, die ihm der Weltgeist Alfred ständig vermitteln will. Und weil dieser zusammen mit anderen noch ständiger darauf hinweist, wie schön doch die scheinbar Verbündete Miranda Tate anzuschauen ist, ist es umso schöner mitanzuschauen, wie dieselbige Batman am Schluss ihr Messer richtig tief in die Seite rammt.

Soweit. Dann fliegt Batman eine Bombe raus aufs Meer, rettet Gotham, sofort geht’s weiter nach Florenz, wo er mit Catwoman im Café sitzt und herumturtelt, Weltgeist Alfred nippt in Sichtweite an seinem Fernet-Branca. Bruce hat die Arbeit an der Welt endgültig eingestellt, weil er die Liebe gefunden hat. Und wer den Mob Gothams gesehen hat – wer würde ihm das übel nehmen? Wir glauben trotzdem weiter, dass das eine nicht ohne das andere geht und hoffen auf geglücktere Vermittlungen in der Zukunft (dass es weitergeht, ist klar, oder Chris? Es gibt schließlich keinen deutlicheren Beleg für die gefühlte Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen als die Sehnsucht nach Superhelden).

Bis dann,
Sebastian

P.S.: Wir sind der Geist.

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